Lastgang in Stundenwerten: Warum das für die Wirtschaftlichkeitsanalyse von Gewerbespeichern nicht reicht

Lennart Wittstock

Balkendiagramm mit vier gemessenen Viertelstunden von 100, 150, 170 und 100 kW: Der Stundenwert als Mittelwert von 130 kW unterschätzt die Lastspitze um 40 kW, der Stundenwert als Maximum von 170 kW überschätzt die Energiemenge um 31 Prozent.

Lastgang in Stundenwerten: Warum das für die Wirtschaftlichkeitsanalyse von Gewerbespeichern nicht reicht

Lennart Wittstock

Balkendiagramm mit vier gemessenen Viertelstunden von 100, 150, 170 und 100 kW: Der Stundenwert als Mittelwert von 130 kW unterschätzt die Lastspitze um 40 kW, der Stundenwert als Maximum von 170 kW überschätzt die Energiemenge um 31 Prozent.

Der Lastgang liegt vor, das Projekt kann losgehen, und dann steht in der Datei nur ein Wert pro Stunde. In der Praxis begegnet uns das regelmäßig, und die Frage ist dann immer dieselbe: Reicht das?

Nein. Der Grund dafür ist keine Genauigkeitsliebe, sondern die Abrechnung selbst. Der deutsche Strommarkt rechnet in Viertelstunden, und zwar an allen Stellen gleichzeitig: bei den Netzentgelten, an der Börse und damit auch in jeder Simulation, die etwas über die Wirtschaftlichkeit eines Speichers aussagen soll. Ein Stundenlastgang beschreibt schlicht ein anderes Raster als das, in dem der Betrieb später bezahlt.

Dazu kommt: Ein RLM-Zähler misst ohnehin in Viertelstunden. Ein Stundenlastgang ist deshalb nie ein Rohdatensatz, sondern immer schon eine Verdichtung. Die Frage ist nur, welche Information dabei weggerechnet wurde.

Genau darum geht es in diesem Artikel: warum beide Varianten von Stundenwerten zu falschen Ergebnissen führen, was das für Lastspitzenkappung, dynamische Tarife und PV-Eigenverbrauch bedeutet und wie man an Viertelstundenwerte kommt.


Die Viertelstunde ist die Abrechnungseinheit

Das gilt an mehreren Stellen gleichzeitig:

  • Der Leistungspreis der Netzentgelte bemisst sich an der höchsten Viertelstundenleistung des Abrechnungsjahres.

  • Die atypische Netznutzung wird ebenfalls viertelstundenscharf bewertet.

  • Seit dem 30. September 2025 läuft auch die Day-Ahead-Auktion der EPEX Spot europaweit im 15-Minuten-Raster. Der Stundenpreis ist seitdem nur noch das arithmetische Mittel der vier Viertelstundenpreise und kein eigenständiger Preisindex mehr.


Beide Varianten von Stundenwerten führen zu falschen Ergebnissen

Ein Stundenwert kann zwei Dinge enthalten: die Energiemenge der Stunde in kWh, was rechnerisch dem Mittelwert der vier Viertelstunden entspricht, oder die höchste Viertelstundenleistung innerhalb der Stunde. In der Praxis begegnet uns meist die erste Variante. Beide sind für die Auslegung unbrauchbar, sie erzeugen nur unterschiedliche Fehler.

Ein Beispiel macht das klar. Ein Betrieb bezieht innerhalb einer Stunde 100 kW, 150 kW, 170 kW und 100 kW.

Variante Mittelwert: In der Datei steht 130 kW. Die abrechnungsrelevante Spitze von 170 kW taucht nirgends auf. Das hat zwei Folgen, die beide in dieselbe Richtung zeigen. Erstens werden die Netzentgelte im Ist-Zustand zu niedrig angesetzt. Zweitens ist die Spitze, die man kappen könnte, in den Daten gar nicht vorhanden. Das Projekt rechnet sich damit schlechter, als es tatsächlich ist.

Variante Maximum: Die Spitze stimmt, dafür steht in der Datei eine Energiemenge von 170 kWh statt der tatsächlichen 130 kWh. In diesem Beispiel sind das 31 Prozent zu viel. Über ein Jahr entsteht so ein Verbrauch, den es nie gegeben hat. Hier kippt der Fehler in die andere Richtung: Stromkosten, Eigenverbrauchsanteil und Einsparung fallen zu optimistisch aus.

Balkendiagramm mit vier gemessenen Viertelstunden von 100, 150, 170 und 100 kW: Der Stundenwert als Mittelwert von 130 kW unterschätzt die Lastspitze um 40 kW, der Stundenwert als Maximum von 170 kW überschätzt die Energiemenge um 31 Prozent.


Nicht nur die Höhe der Spitze zählt, sondern ihre Dauer

Für die Speicherauslegung sind zwei Größen entscheidend: die Entladeleistung in kW und die Kapazität in kWh. Die Leistung folgt aus der Höhe der Spitze, die Kapazität aus ihrer Dauer.

Genau diese Dauer verschwindet im Stundenraster. Eine Spitze, die real 15 Minuten anliegt, sieht als geglätteter Stundenwert aus wie eine Last, die eine volle Stunde durchhält. Wer darauf auslegt, plant deutlich mehr Kapazität ein als nötig und verteuert das Projekt ohne Gegenwert.

Warum eine kurze hohe Spitze mit wenig Energie zu kappen ist, eine niedrigere lange Spitze dagegen viel Kapazität braucht, und was das für das wirtschaftlich sinnvolle Kappungsniveau bedeutet, haben wir mit Rechenbeispielen im Artikel Lastspitzenkappung mit Batteriespeicher im Gewerbe ausgeführt.


Dynamische Stromtarife: Die Spreads verschwinden im Mittelwert

Bei dynamischen Stromtarifen entsteht der Erlös aus der Preisdifferenz innerhalb des Tages. Seit der Umstellung des Day-Ahead-Marktes auf Viertelstunden sind die Ausschläge kurzfristiger geworden, besonders an den Rampen am Morgen und am Abend, wenn die PV-Einspeisung hoch- oder runterfährt.


Auch der PV-Eigenverbrauch verschiebt sich

Bei der Eigenverbrauchsberechnung liefern feinere Zeitschritte ebenfalls präzisere Ergebnisse, weil Erzeugung und Last innerhalb einer Stunde auseinanderlaufen. Der Effekt fällt bei gewerblichen Lastgängen in der Regel kleiner aus als bei den Lastspitzen, weil sich viele Verbraucher gegenseitig glätten. Die Richtung ist trotzdem klar: Der Eigenverbrauchsanteil wird mit Stundenwerten eher überschätzt.


Woher bekomme ich Viertelstundenwerte?

Der RLM-Zähler misst sie bereits, sie müssen also nur angefordert werden. Anlaufstellen sind der Netzbetreiber, der Stromlieferant oder der Messstellenbetreiber. Bei vielen Netzbetreibern liegen die Daten im Kundenportal direkt zum Download bereit.

Der Aufwand ist gering und lohnt sich in jedem Fall, weil ohne Viertelstundenwerte weder die Lastspitzenkappung noch die Speichergröße seriös bestimmt werden kann. Welche Daten darüber hinaus gebraucht werden, steht in der Datencheckliste für Gewerbespeicher.


FAQ

Wie erkenne ich schnell, welche Auflösung meine Datei hat?

Über die Zeilenanzahl. Ein vollständiges Jahr in Viertelstundenwerten hat 35.040 Zeilen, ein Jahr in Stundenwerten 8.760. Das ist der schnellste Test, bevor man mit der Datei weiterarbeitet.

Amortisation von Gewerbespeichern berechnen

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Als Solarinstallationsbetrieb Eigenverbrauch, Lastspitzenkappung, dynamische Stromtarife uvm. simulieren. Zeige deinen Kunden in Minuten, wann sich ein Speicher rechnet.

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Der Lastgang liegt vor, das Projekt kann losgehen, und dann steht in der Datei nur ein Wert pro Stunde. In der Praxis begegnet uns das regelmäßig, und die Frage ist dann immer dieselbe: Reicht das?

Nein. Der Grund dafür ist keine Genauigkeitsliebe, sondern die Abrechnung selbst. Der deutsche Strommarkt rechnet in Viertelstunden, und zwar an allen Stellen gleichzeitig: bei den Netzentgelten, an der Börse und damit auch in jeder Simulation, die etwas über die Wirtschaftlichkeit eines Speichers aussagen soll. Ein Stundenlastgang beschreibt schlicht ein anderes Raster als das, in dem der Betrieb später bezahlt.

Dazu kommt: Ein RLM-Zähler misst ohnehin in Viertelstunden. Ein Stundenlastgang ist deshalb nie ein Rohdatensatz, sondern immer schon eine Verdichtung. Die Frage ist nur, welche Information dabei weggerechnet wurde.

Genau darum geht es in diesem Artikel: warum beide Varianten von Stundenwerten zu falschen Ergebnissen führen, was das für Lastspitzenkappung, dynamische Tarife und PV-Eigenverbrauch bedeutet und wie man an Viertelstundenwerte kommt.


Die Viertelstunde ist die Abrechnungseinheit

Das gilt an mehreren Stellen gleichzeitig:

  • Der Leistungspreis der Netzentgelte bemisst sich an der höchsten Viertelstundenleistung des Abrechnungsjahres.

  • Die atypische Netznutzung wird ebenfalls viertelstundenscharf bewertet.

  • Seit dem 30. September 2025 läuft auch die Day-Ahead-Auktion der EPEX Spot europaweit im 15-Minuten-Raster. Der Stundenpreis ist seitdem nur noch das arithmetische Mittel der vier Viertelstundenpreise und kein eigenständiger Preisindex mehr.


Beide Varianten von Stundenwerten führen zu falschen Ergebnissen

Ein Stundenwert kann zwei Dinge enthalten: die Energiemenge der Stunde in kWh, was rechnerisch dem Mittelwert der vier Viertelstunden entspricht, oder die höchste Viertelstundenleistung innerhalb der Stunde. In der Praxis begegnet uns meist die erste Variante. Beide sind für die Auslegung unbrauchbar, sie erzeugen nur unterschiedliche Fehler.

Ein Beispiel macht das klar. Ein Betrieb bezieht innerhalb einer Stunde 100 kW, 150 kW, 170 kW und 100 kW.

Variante Mittelwert: In der Datei steht 130 kW. Die abrechnungsrelevante Spitze von 170 kW taucht nirgends auf. Das hat zwei Folgen, die beide in dieselbe Richtung zeigen. Erstens werden die Netzentgelte im Ist-Zustand zu niedrig angesetzt. Zweitens ist die Spitze, die man kappen könnte, in den Daten gar nicht vorhanden. Das Projekt rechnet sich damit schlechter, als es tatsächlich ist.

Variante Maximum: Die Spitze stimmt, dafür steht in der Datei eine Energiemenge von 170 kWh statt der tatsächlichen 130 kWh. In diesem Beispiel sind das 31 Prozent zu viel. Über ein Jahr entsteht so ein Verbrauch, den es nie gegeben hat. Hier kippt der Fehler in die andere Richtung: Stromkosten, Eigenverbrauchsanteil und Einsparung fallen zu optimistisch aus.

Balkendiagramm mit vier gemessenen Viertelstunden von 100, 150, 170 und 100 kW: Der Stundenwert als Mittelwert von 130 kW unterschätzt die Lastspitze um 40 kW, der Stundenwert als Maximum von 170 kW überschätzt die Energiemenge um 31 Prozent.


Nicht nur die Höhe der Spitze zählt, sondern ihre Dauer

Für die Speicherauslegung sind zwei Größen entscheidend: die Entladeleistung in kW und die Kapazität in kWh. Die Leistung folgt aus der Höhe der Spitze, die Kapazität aus ihrer Dauer.

Genau diese Dauer verschwindet im Stundenraster. Eine Spitze, die real 15 Minuten anliegt, sieht als geglätteter Stundenwert aus wie eine Last, die eine volle Stunde durchhält. Wer darauf auslegt, plant deutlich mehr Kapazität ein als nötig und verteuert das Projekt ohne Gegenwert.

Warum eine kurze hohe Spitze mit wenig Energie zu kappen ist, eine niedrigere lange Spitze dagegen viel Kapazität braucht, und was das für das wirtschaftlich sinnvolle Kappungsniveau bedeutet, haben wir mit Rechenbeispielen im Artikel Lastspitzenkappung mit Batteriespeicher im Gewerbe ausgeführt.


Dynamische Stromtarife: Die Spreads verschwinden im Mittelwert

Bei dynamischen Stromtarifen entsteht der Erlös aus der Preisdifferenz innerhalb des Tages. Seit der Umstellung des Day-Ahead-Marktes auf Viertelstunden sind die Ausschläge kurzfristiger geworden, besonders an den Rampen am Morgen und am Abend, wenn die PV-Einspeisung hoch- oder runterfährt.


Auch der PV-Eigenverbrauch verschiebt sich

Bei der Eigenverbrauchsberechnung liefern feinere Zeitschritte ebenfalls präzisere Ergebnisse, weil Erzeugung und Last innerhalb einer Stunde auseinanderlaufen. Der Effekt fällt bei gewerblichen Lastgängen in der Regel kleiner aus als bei den Lastspitzen, weil sich viele Verbraucher gegenseitig glätten. Die Richtung ist trotzdem klar: Der Eigenverbrauchsanteil wird mit Stundenwerten eher überschätzt.


Woher bekomme ich Viertelstundenwerte?

Der RLM-Zähler misst sie bereits, sie müssen also nur angefordert werden. Anlaufstellen sind der Netzbetreiber, der Stromlieferant oder der Messstellenbetreiber. Bei vielen Netzbetreibern liegen die Daten im Kundenportal direkt zum Download bereit.

Der Aufwand ist gering und lohnt sich in jedem Fall, weil ohne Viertelstundenwerte weder die Lastspitzenkappung noch die Speichergröße seriös bestimmt werden kann. Welche Daten darüber hinaus gebraucht werden, steht in der Datencheckliste für Gewerbespeicher.


FAQ

Wie erkenne ich schnell, welche Auflösung meine Datei hat?

Über die Zeilenanzahl. Ein vollständiges Jahr in Viertelstundenwerten hat 35.040 Zeilen, ein Jahr in Stundenwerten 8.760. Das ist der schnellste Test, bevor man mit der Datei weiterarbeitet.

Amortisation von Gewerbespeichern berechnen

Als Solarinstallationsbetrieb Eigenverbrauch, Lastspitzenkappung, dynamische Stromtarife uvm. simulieren. Zeige deinen Kunden in Minuten, wann sich ein Speicher rechnet.