Szenarioamortisation vs. Batterieamortisation: Warum wir zwei Amortisationszeiten ausweisen
Lennart Wittstock

Szenarioamortisation vs. Batterieamortisation: Warum wir zwei Amortisationszeiten ausweisen
Lennart Wittstock

Kurz vorab: Ein Gewerbespeicher lässt sich selten isoliert bewerten, weil sich mit ihm meist mehrere Dinge gleichzeitig ändern: PV-Anlage, Stromtarif, Netzentgelte. Deshalb weisen wir zwei Kennzahlen getrennt aus. Die Szenarioamortisation beantwortet die Frage, ob sich das Gesamtpaket gegenüber dem Ist-Zustand lohnt. Die Batterieamortisation beantwortet, welchen zusätzlichen Beitrag der Speicher darüber hinaus leistet. Erst beide zusammen erlauben eine ehrliche Beratung.
Warum der Speicher selten isoliert betrachtet werden kann
Gewerbestandorte, die einen Batteriespeicher installieren möchten, wollen in der Regel Kosten senken und achten daher genau auf Amortisation und Rendite der Investition. In den meisten Fällen lässt sich der Gewerbespeicher aber nicht isoliert betrachten, weil die typischen Erlösströme bestimmte Grundvoraussetzungen erfordern:
Um überschüssigen Solarstrom zu speichern, braucht es zuerst eine PV-Anlage.
Um dynamische Stromtarife auszunutzen, braucht es zuerst einen solchen Tarif.
Da diese Entscheidungen oft gemeinsam getroffen werden, ist es sinnvoll, sie auch gemeinsam zu betrachten. Alle Erlöse einzeln zu bewerten, würde die Wechselwirkungen unterschätzen. Beispielsweise kann der Zubau einer PV-Anlage den Wechsel auf einen dynamischen Stromtarif weniger attraktiv machen, weil man bei günstigen Marktpreisen ohnehin schon durch die eigene Anlage versorgt ist.
Szenarioamortisation: lohnt sich das Gesamtpaket?
Deshalb ist eine Gesamtbetrachtung aller sich verändernden Elemente gegenüber dem Ist-Zustand sinnvoll. Also die Berechnung, wie viel Einsparung entsteht, wenn ein Standort zum Beispiel PV-Anlage und Speicher zubaut und zusätzlich auf einen dynamischen Stromtarif wechselt. Das nennen wir in unserer Software die Szenarioamortisation.
Warum die Gesamtbetrachtung allein nicht reicht
Die Gesamtbetrachtung erzählt aber noch nicht die ganze Geschichte, denn sie verdeckt, welches Element welchen Beitrag leistet. Ein Beispiel: Wer eine PV-Anlage für 200.000 € und einen Speicher für 20.000 € zubaut und damit 40.000 € jährlich einspart, erreicht grob eine Amortisation von 5,5 Jahren. Als Gesamtpaket klingt das gut. Schaut man aber genauer hin, trägt der Speicher davon vielleicht nur 1.600 € bei, was einer Amortisation von rund 12,5 Jahren entspricht.
Das ist deutlich weniger attraktiv, gerade weil Gewerbespeicher häufig nur 15 Jahre Garantie haben, während PV-Anlagen oft 20 oder 30 Jahre Garantie bieten. Diese Diskrepanz fällt in der reinen Gesamtbetrachtung nicht auf, weil sich der Speicher in der guten Amortisation der viel teureren PV-Anlage „verstecken“ kann.
Batterieamortisation: welchen Beitrag leistet der Speicher?
Um das zu vermeiden, betrachten wir zusätzlich die Batterieamortisation: den zusätzlichen Mehrwert, den der Speicher über alle anderen Änderungen (PV-Anlage, Stromtarif, Netzentgelte) hinaus erzeugt.
Die vier möglichen Fälle
Aus beiden Kennzahlen ergeben sich vier Situationen:

Szenario schlecht, Batterie schlecht
Der Wechsel auf einen dynamischen Stromtarif lohnt sich beispielsweise nicht, weil der Standort schon einen sehr günstigen Fixpreis hat. Und der Speicher kann nur begrenzt Erlöse über Strompreisoptimierung oder Lastspitzenkappung realisieren, etwa weil die Leistungspreise beim zuständigen Verteilnetzbetreiber sehr niedrig sind. Hier lohnt sich keine der Maßnahmen.
Szenario schlecht, Batterie gut
Das ist eine gefährliche Situation. Einem Standort lässt sich vorrechnen: „Der Speicher bezieht Strom in günstigen Stunden und vermeidet ihn in teuren.“ Isoliert betrachtet stimmt das und lässt den Speicher wirtschaftlich erscheinen. Letztlich will ein Standort aber die gesamten Energiekosten senken. Wenn der Wechsel auf den dynamischen Tarif so viel Mehrkosten erzeugt, dass der Speicher sie netto nicht ausgleicht, hilft die gute Batterieamortisation allein nicht weiter.
Szenario gut, Batterie schlecht
Auch hier zeigt sich, wie wichtig ehrliche Beratung ist. Ein Speicher kann zusätzlich zu PV-Anlage oder dynamischem Tarif manchmal nur einen kleinen Beitrag leisten. Wenn die anderen Maßnahmen aber viel einsparen, kann sich ein unwirtschaftlicher Speicher in deren positiven Effekten „verstecken“. Die Szenarioamortisation wird durch den Speicher zwar schlechter, bleibt aber gut.
Beispiel: Der Wechsel auf den dynamischen Tarif spart 20.000 €, ein Speicher für 100.000 € erhöht das auf 30.000 €. Im Vergleich zum Ist-Zustand ergibt sich:
30.000 € Ersparnis bei 100.000 € Speicher, also rund 3,3 Jahre Amortisation für das Gesamtpaket.
Der zusätzliche Nutzen des Speichers beträgt aber nur 10.000 €, also rund 10 Jahre Batterieamortisation.
Die ehrliche Beratung lautet: Mit Speicher lohnt es sich, gebraucht wird er aber eigentlich nicht, und ohne ihn lohnt es sich sogar noch mehr. Eine Ausnahme kann sein, wenn sich ein Standort den Wechsel auf den dynamischen Tarif ohne Speicher nicht zutraut, etwa aus Sorge vor Preisspitzen.
Szenario gut, Batterie gut
Das ist der Optimalfall. Das Gesamtpaket ergibt Sinn und der Speicher ist ein tragender Teil davon. Zum Beispiel, wenn die PV-Anlage schon für sich eine gute Investition ist und der Speicher zusätzlichen Mehrwert liefert, etwa durch Eigenverbrauchsoptimierung des PV-Stroms und Lastspitzenkappung. Oder wenn der Wechsel auf den dynamischen Tarif bereits Kosten senkt und der Speicher diese Einsparung weiter ausbaut.
Fazit
Eine gute Empfehlung entsteht nicht aus einer einzelnen Zahl, sondern aus dem Verständnis, woher die Wirtschaftlichkeit tatsächlich kommt. Deshalb weisen wir beide Kennzahlen nebeneinander aus, statt sie zu einer zu verschmelzen. Im besten Fall ergeben beide Sinn. Lohnt sich nur das Szenario, ist der Speicher womöglich überflüssig. Lohnt sich nur der Speicher, ist die Betrachtung zu einseitig.
Kurz vorab: Ein Gewerbespeicher lässt sich selten isoliert bewerten, weil sich mit ihm meist mehrere Dinge gleichzeitig ändern: PV-Anlage, Stromtarif, Netzentgelte. Deshalb weisen wir zwei Kennzahlen getrennt aus. Die Szenarioamortisation beantwortet die Frage, ob sich das Gesamtpaket gegenüber dem Ist-Zustand lohnt. Die Batterieamortisation beantwortet, welchen zusätzlichen Beitrag der Speicher darüber hinaus leistet. Erst beide zusammen erlauben eine ehrliche Beratung.
Warum der Speicher selten isoliert betrachtet werden kann
Gewerbestandorte, die einen Batteriespeicher installieren möchten, wollen in der Regel Kosten senken und achten daher genau auf Amortisation und Rendite der Investition. In den meisten Fällen lässt sich der Gewerbespeicher aber nicht isoliert betrachten, weil die typischen Erlösströme bestimmte Grundvoraussetzungen erfordern:
Um überschüssigen Solarstrom zu speichern, braucht es zuerst eine PV-Anlage.
Um dynamische Stromtarife auszunutzen, braucht es zuerst einen solchen Tarif.
Da diese Entscheidungen oft gemeinsam getroffen werden, ist es sinnvoll, sie auch gemeinsam zu betrachten. Alle Erlöse einzeln zu bewerten, würde die Wechselwirkungen unterschätzen. Beispielsweise kann der Zubau einer PV-Anlage den Wechsel auf einen dynamischen Stromtarif weniger attraktiv machen, weil man bei günstigen Marktpreisen ohnehin schon durch die eigene Anlage versorgt ist.
Szenarioamortisation: lohnt sich das Gesamtpaket?
Deshalb ist eine Gesamtbetrachtung aller sich verändernden Elemente gegenüber dem Ist-Zustand sinnvoll. Also die Berechnung, wie viel Einsparung entsteht, wenn ein Standort zum Beispiel PV-Anlage und Speicher zubaut und zusätzlich auf einen dynamischen Stromtarif wechselt. Das nennen wir in unserer Software die Szenarioamortisation.
Warum die Gesamtbetrachtung allein nicht reicht
Die Gesamtbetrachtung erzählt aber noch nicht die ganze Geschichte, denn sie verdeckt, welches Element welchen Beitrag leistet. Ein Beispiel: Wer eine PV-Anlage für 200.000 € und einen Speicher für 20.000 € zubaut und damit 40.000 € jährlich einspart, erreicht grob eine Amortisation von 5,5 Jahren. Als Gesamtpaket klingt das gut. Schaut man aber genauer hin, trägt der Speicher davon vielleicht nur 1.600 € bei, was einer Amortisation von rund 12,5 Jahren entspricht.
Das ist deutlich weniger attraktiv, gerade weil Gewerbespeicher häufig nur 15 Jahre Garantie haben, während PV-Anlagen oft 20 oder 30 Jahre Garantie bieten. Diese Diskrepanz fällt in der reinen Gesamtbetrachtung nicht auf, weil sich der Speicher in der guten Amortisation der viel teureren PV-Anlage „verstecken“ kann.
Batterieamortisation: welchen Beitrag leistet der Speicher?
Um das zu vermeiden, betrachten wir zusätzlich die Batterieamortisation: den zusätzlichen Mehrwert, den der Speicher über alle anderen Änderungen (PV-Anlage, Stromtarif, Netzentgelte) hinaus erzeugt.
Die vier möglichen Fälle
Aus beiden Kennzahlen ergeben sich vier Situationen:

Szenario schlecht, Batterie schlecht
Der Wechsel auf einen dynamischen Stromtarif lohnt sich beispielsweise nicht, weil der Standort schon einen sehr günstigen Fixpreis hat. Und der Speicher kann nur begrenzt Erlöse über Strompreisoptimierung oder Lastspitzenkappung realisieren, etwa weil die Leistungspreise beim zuständigen Verteilnetzbetreiber sehr niedrig sind. Hier lohnt sich keine der Maßnahmen.
Szenario schlecht, Batterie gut
Das ist eine gefährliche Situation. Einem Standort lässt sich vorrechnen: „Der Speicher bezieht Strom in günstigen Stunden und vermeidet ihn in teuren.“ Isoliert betrachtet stimmt das und lässt den Speicher wirtschaftlich erscheinen. Letztlich will ein Standort aber die gesamten Energiekosten senken. Wenn der Wechsel auf den dynamischen Tarif so viel Mehrkosten erzeugt, dass der Speicher sie netto nicht ausgleicht, hilft die gute Batterieamortisation allein nicht weiter.
Szenario gut, Batterie schlecht
Auch hier zeigt sich, wie wichtig ehrliche Beratung ist. Ein Speicher kann zusätzlich zu PV-Anlage oder dynamischem Tarif manchmal nur einen kleinen Beitrag leisten. Wenn die anderen Maßnahmen aber viel einsparen, kann sich ein unwirtschaftlicher Speicher in deren positiven Effekten „verstecken“. Die Szenarioamortisation wird durch den Speicher zwar schlechter, bleibt aber gut.
Beispiel: Der Wechsel auf den dynamischen Tarif spart 20.000 €, ein Speicher für 100.000 € erhöht das auf 30.000 €. Im Vergleich zum Ist-Zustand ergibt sich:
30.000 € Ersparnis bei 100.000 € Speicher, also rund 3,3 Jahre Amortisation für das Gesamtpaket.
Der zusätzliche Nutzen des Speichers beträgt aber nur 10.000 €, also rund 10 Jahre Batterieamortisation.
Die ehrliche Beratung lautet: Mit Speicher lohnt es sich, gebraucht wird er aber eigentlich nicht, und ohne ihn lohnt es sich sogar noch mehr. Eine Ausnahme kann sein, wenn sich ein Standort den Wechsel auf den dynamischen Tarif ohne Speicher nicht zutraut, etwa aus Sorge vor Preisspitzen.
Szenario gut, Batterie gut
Das ist der Optimalfall. Das Gesamtpaket ergibt Sinn und der Speicher ist ein tragender Teil davon. Zum Beispiel, wenn die PV-Anlage schon für sich eine gute Investition ist und der Speicher zusätzlichen Mehrwert liefert, etwa durch Eigenverbrauchsoptimierung des PV-Stroms und Lastspitzenkappung. Oder wenn der Wechsel auf den dynamischen Tarif bereits Kosten senkt und der Speicher diese Einsparung weiter ausbaut.
Fazit
Eine gute Empfehlung entsteht nicht aus einer einzelnen Zahl, sondern aus dem Verständnis, woher die Wirtschaftlichkeit tatsächlich kommt. Deshalb weisen wir beide Kennzahlen nebeneinander aus, statt sie zu einer zu verschmelzen. Im besten Fall ergeben beide Sinn. Lohnt sich nur das Szenario, ist der Speicher womöglich überflüssig. Lohnt sich nur der Speicher, ist die Betrachtung zu einseitig.


