Negative Strompreise 2026: Aktuelle Statistik & Live-Tracker

Lennart Wittstock

Negative Strompreise 2026: Aktuelle Statistik & Live-Tracker

Lennart Wittstock

Was sind negative Strompreise?

Negative Strompreise entstehen, wenn mehr Strom erzeugt wird als verbraucht werden kann. Erzeuger zahlen dann dafür, dass ihr Strom abgenommen wird. Das passiert vor allem bei hoher Wind- und Solareinspeisung in Kombination mit niedriger Nachfrage – typischerweise an sonnigen Wochenenden, Feiertagen oder in windreichen Nächten.

Seit Oktober 2025 werden die Day-Ahead-Preise an der EPEX Spot in 15-Minuten-Auflösung gehandelt statt in Stundenblöcken. Das bedeutet: Kurze Preisausschläge werden sichtbarer, und die Zahl der betroffenen Viertelstunden steigt schneller als die Zahl der betroffenen vollen Stunden.


Warum nehmen negative Preise zu?

Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet schneller voran als der Ausbau von Flexibilitätsoptionen. Im Jahr 2025 gab es bereits rund 575 Stunden mit negativen Preisen – ein Rekord. Für 2026 rechnen Analysten mit 700 bis 900 Stunden.

Balkendiagramm: Anzahl der Stunden mit negativen und Null-Strompreisen am Day-Ahead-Markt in Deutschland (DE-LU) von 2015 bis 2025. Die Negativpreisstunden stiegen von 126 im Jahr 2015 auf den Rekordwert von 573 im Jahr 2025, mit einem Einbruch auf 69 Stunden im Krisenjahr 2022.


Die Ursachen sind strukturell: Mehr PV-Kapazität erzeugt immer häufiger Mittagsspitzen, die den Verbrauch übersteigen. Gleichzeitig fehlen Speicherkapazitäten und steuerbare Lasten, die den Überschuss aufnehmen könnten. Das Solarspitzengesetz (Februar 2025) hat die Vergütungsregeln verschärft, sodass die Einspeisevergütung für neue Anlagen bereits ab der ersten negativen Viertelstunde entfällt.

Unser Tagesverlauf-Chart zeigt das Muster deutlich: Die große Mehrheit der negativen Viertelstunden fällt in die Solarstunden zwischen 9 und 17 Uhr. Negative Preise in der Nacht durch Windüberschuss sind bisher selten.


Für wen sind Negativpreisstunden relevant?


PV-Anlagen unter dem Solarspitzengesetz

Für Neuanlagen, deren Vergütung ab der ersten negativen Viertelstunde entfällt, ist jede einzelne Negativstunde ein direkter Umsatzverlust – und damit einer der Fälle, in denen diese Kennzahl sehr konkrete wirtschaftliche Bedeutung hat.

Smarte Batteriespeicher können gezielt dann laden, wenn die Strompreise negativ sind, um unvergütete Einspeisung zu vermeiden. Im Kontext gewerblicher Anlagen in der Direktvermarktung lässt sich der gespeicherte Strom gezielt dann wieder einspeisen, wenn die Vergütung besonders hoch ist.


Dynamische Stromtarife: Lastprofil schlägt Negativstunden

Für Gewerbebetriebe mit dynamischen Stromtarifen klingt die Zahl erstmal verlockend: Strom zum Nulltarif oder sogar Geld fürs Laden bekommen. Aber die Negativstunden allein sind kein guter Grund, auf einen dynamischen Tarif zu wechseln. Zudem beinhaltet der effektive Strompreis auch noch Netzentgelte, Stromsteuer und Umlagen.

Entscheidend ist vielmehr die Frage: Wie sieht das eigene Lastprofil aus, und welcher Anteil davon lässt sich zeitlich verschieben? Ein Betrieb, der seine großen Verbraucher flexibel steuern kann – Kühlung, Druckluft, E-Fuhrpark – profitiert von der gesamten Preisspreizung, nicht nur von den wenigen Negativstunden. Wer dagegen ein starres Lastprofil hat, zahlt in Hochpreisphasen drauf und kann die günstigen Stunden kaum nutzen. Mehr dazu in unserem Beitrag zu dynamischen Stromtarifen.


Handelsbatterien: Spread ist wichtiger

Für eine Batterie im reinen Day-Ahead-Arbitrage-Betrieb ist das Vorzeichen des Einkaufspreises ökonomisch egal. Ob der Spread zwischen -2 und +10 ct/kWh liegt oder zwischen +2 und +14 ct/kWh, macht für die Marge keinen Unterschied. Trotzdem: Tage mit vielen Negativstunden korrelieren stark mit hohen Morgen- und Abend-Peaks. Als Proxy für das Spread-Niveau funktioniert die Kennzahl – aber wer einen Speicher dimensioniert, schaut besser direkt auf durchschnittliche Day-Ahead-Spreads.

Unterm Strich: Die Anzahl der Negativpreisstunden macht ein abstraktes Thema greifbar. Aber wer eine Investitionsentscheidung trifft, braucht mehr als eine Zahl.


Green Energy Tools entwickelt Simulations- und Planungssoftware für gewerbliche Batteriespeicher und PV-Systeme. Wir helfen Solarinstallateuren und Projektplanern, Speicherstrategien auf Basis realer Marktdaten zu dimensionieren. Kontakt aufnehmen →



Datenquelle und Methodik

Die Daten auf dieser Seite stammen von der ENTSO-E Transparency Platform und werden täglich automatisch aktualisiert. Wir verwenden die Day-Ahead-Preise (Sequence 1, SDAC) der Gebotszone DE-LU in 15-Minuten-Auflösung.

Negative Stunden berechnen wir als Anzahl der Viertelstunden mit einem Preis unter 0, geteilt durch 4. Eine „negative Stunde" entspricht somit vier 15-Minuten-Intervallen mit negativem Preis.

Tagesspread ist die Differenz zwischen dem höchsten und niedrigsten Preis eines Tages. Der durchschnittliche Tagesspread ist der Mittelwert über alle bisherigen Tage im Jahr.

Alle Preise sind in ct/kWh angegeben (Umrechnung aus EUR/MWh durch Division mit 10).


FAQ:

Wann treten negative Strompreise am häufigsten auf?

In den bisherigen Daten für 2026 treten negative Preise am häufigsten zwischen 10:00 und 15:00 Uhr auf, wenn die Solareinspeisung am höchsten ist. Besonders betroffen sind Wochenenden und Feiertage mit niedrigem Verbrauch. Negative Preise in den Nachtstunden durch Windüberschuss kamen bisher nur vereinzelt vor.


Wie werden negative Stunden gezählt?

Wir zählen die Anzahl der 15-Minuten-Intervalle mit einem Day-Ahead-Preis unter 0 und teilen durch 4. Diese Methode ist konsistent mit der Zählweise der Bundesnetzagentur auf SMARD, kann aber von anderen Quellen abweichen, die z. B. nur Stunden zählen, in denen der Stundendurchschnitt negativ war.


Was sind negative Strompreise?

Negative Strompreise entstehen, wenn mehr Strom erzeugt wird als verbraucht werden kann. Erzeuger zahlen dann dafür, dass ihr Strom abgenommen wird. Das passiert vor allem bei hoher Wind- und Solareinspeisung in Kombination mit niedriger Nachfrage – typischerweise an sonnigen Wochenenden, Feiertagen oder in windreichen Nächten.

Seit Oktober 2025 werden die Day-Ahead-Preise an der EPEX Spot in 15-Minuten-Auflösung gehandelt statt in Stundenblöcken. Das bedeutet: Kurze Preisausschläge werden sichtbarer, und die Zahl der betroffenen Viertelstunden steigt schneller als die Zahl der betroffenen vollen Stunden.


Warum nehmen negative Preise zu?

Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet schneller voran als der Ausbau von Flexibilitätsoptionen. Im Jahr 2025 gab es bereits rund 575 Stunden mit negativen Preisen – ein Rekord. Für 2026 rechnen Analysten mit 700 bis 900 Stunden.

Balkendiagramm: Anzahl der Stunden mit negativen und Null-Strompreisen am Day-Ahead-Markt in Deutschland (DE-LU) von 2015 bis 2025. Die Negativpreisstunden stiegen von 126 im Jahr 2015 auf den Rekordwert von 573 im Jahr 2025, mit einem Einbruch auf 69 Stunden im Krisenjahr 2022.


Die Ursachen sind strukturell: Mehr PV-Kapazität erzeugt immer häufiger Mittagsspitzen, die den Verbrauch übersteigen. Gleichzeitig fehlen Speicherkapazitäten und steuerbare Lasten, die den Überschuss aufnehmen könnten. Das Solarspitzengesetz (Februar 2025) hat die Vergütungsregeln verschärft, sodass die Einspeisevergütung für neue Anlagen bereits ab der ersten negativen Viertelstunde entfällt.

Unser Tagesverlauf-Chart zeigt das Muster deutlich: Die große Mehrheit der negativen Viertelstunden fällt in die Solarstunden zwischen 9 und 17 Uhr. Negative Preise in der Nacht durch Windüberschuss sind bisher selten.


Für wen sind Negativpreisstunden relevant?


PV-Anlagen unter dem Solarspitzengesetz

Für Neuanlagen, deren Vergütung ab der ersten negativen Viertelstunde entfällt, ist jede einzelne Negativstunde ein direkter Umsatzverlust – und damit einer der Fälle, in denen diese Kennzahl sehr konkrete wirtschaftliche Bedeutung hat.

Smarte Batteriespeicher können gezielt dann laden, wenn die Strompreise negativ sind, um unvergütete Einspeisung zu vermeiden. Im Kontext gewerblicher Anlagen in der Direktvermarktung lässt sich der gespeicherte Strom gezielt dann wieder einspeisen, wenn die Vergütung besonders hoch ist.


Dynamische Stromtarife: Lastprofil schlägt Negativstunden

Für Gewerbebetriebe mit dynamischen Stromtarifen klingt die Zahl erstmal verlockend: Strom zum Nulltarif oder sogar Geld fürs Laden bekommen. Aber die Negativstunden allein sind kein guter Grund, auf einen dynamischen Tarif zu wechseln. Zudem beinhaltet der effektive Strompreis auch noch Netzentgelte, Stromsteuer und Umlagen.

Entscheidend ist vielmehr die Frage: Wie sieht das eigene Lastprofil aus, und welcher Anteil davon lässt sich zeitlich verschieben? Ein Betrieb, der seine großen Verbraucher flexibel steuern kann – Kühlung, Druckluft, E-Fuhrpark – profitiert von der gesamten Preisspreizung, nicht nur von den wenigen Negativstunden. Wer dagegen ein starres Lastprofil hat, zahlt in Hochpreisphasen drauf und kann die günstigen Stunden kaum nutzen. Mehr dazu in unserem Beitrag zu dynamischen Stromtarifen.


Handelsbatterien: Spread ist wichtiger

Für eine Batterie im reinen Day-Ahead-Arbitrage-Betrieb ist das Vorzeichen des Einkaufspreises ökonomisch egal. Ob der Spread zwischen -2 und +10 ct/kWh liegt oder zwischen +2 und +14 ct/kWh, macht für die Marge keinen Unterschied. Trotzdem: Tage mit vielen Negativstunden korrelieren stark mit hohen Morgen- und Abend-Peaks. Als Proxy für das Spread-Niveau funktioniert die Kennzahl – aber wer einen Speicher dimensioniert, schaut besser direkt auf durchschnittliche Day-Ahead-Spreads.

Unterm Strich: Die Anzahl der Negativpreisstunden macht ein abstraktes Thema greifbar. Aber wer eine Investitionsentscheidung trifft, braucht mehr als eine Zahl.


Green Energy Tools entwickelt Simulations- und Planungssoftware für gewerbliche Batteriespeicher und PV-Systeme. Wir helfen Solarinstallateuren und Projektplanern, Speicherstrategien auf Basis realer Marktdaten zu dimensionieren. Kontakt aufnehmen →



Datenquelle und Methodik

Die Daten auf dieser Seite stammen von der ENTSO-E Transparency Platform und werden täglich automatisch aktualisiert. Wir verwenden die Day-Ahead-Preise (Sequence 1, SDAC) der Gebotszone DE-LU in 15-Minuten-Auflösung.

Negative Stunden berechnen wir als Anzahl der Viertelstunden mit einem Preis unter 0, geteilt durch 4. Eine „negative Stunde" entspricht somit vier 15-Minuten-Intervallen mit negativem Preis.

Tagesspread ist die Differenz zwischen dem höchsten und niedrigsten Preis eines Tages. Der durchschnittliche Tagesspread ist der Mittelwert über alle bisherigen Tage im Jahr.

Alle Preise sind in ct/kWh angegeben (Umrechnung aus EUR/MWh durch Division mit 10).


FAQ:

Wann treten negative Strompreise am häufigsten auf?

In den bisherigen Daten für 2026 treten negative Preise am häufigsten zwischen 10:00 und 15:00 Uhr auf, wenn die Solareinspeisung am höchsten ist. Besonders betroffen sind Wochenenden und Feiertage mit niedrigem Verbrauch. Negative Preise in den Nachtstunden durch Windüberschuss kamen bisher nur vereinzelt vor.


Wie werden negative Stunden gezählt?

Wir zählen die Anzahl der 15-Minuten-Intervalle mit einem Day-Ahead-Preis unter 0 und teilen durch 4. Diese Methode ist konsistent mit der Zählweise der Bundesnetzagentur auf SMARD, kann aber von anderen Quellen abweichen, die z. B. nur Stunden zählen, in denen der Stundendurchschnitt negativ war.